nur noch der bloße Wille bringt mich über den letzten Anstieg des Tages und unendliche Erleichterung rollt mit ins Ziel nach Nauders. Irgendwie war heute alles dabei, Kälte – Hitze, Massenstart – Einsamkeit, Fehlleitung – Neutralisation, Kraft – Krämpfe. Ergebnis: super Zeit und Platzierung. Aber alles der Reihe nach.

Nach einer schlaflosen Nacht bringe ich beim Frühstück kaum etwas runter. Um 5:30 Uhr radle ich los Richtung Start in Nauders. Die 16km gegen den Wind verbuche ich unter Warmfahren.

Kurz nach 6 Uhr erreiche ich die Startaufstellung und sehe geschätzt 1000 Radler vor mir. Keine ideale Voraussetzung, um in die TOP100 zu kommen. Zum Glück kommt Gerd fast gleichzeitig und wir vertreiben uns die Zeit bis zum Start (Foto)

Gerd_und_Sven

Der Countdown läuft, die Spannung steigt. Dann geht es los. Es dauert noch einige Minuten, bis wir tatsächlich anrollen können.

Phase 1 - Vorarbeiten: Bis zur Abfahrt ins Vischgau schaffe ich es in die zweite Gruppe und wir jagen gen Prad. In Mals steht das Feld vor uns plötzlich - VERFAHREN!!! Über einen Schleichweg erreichen wir wieder die Hauptroute, vor uns sieht es so aus, als ob das Feld wieder neutralisiert wird. Also geht es doch im Pulk an den Anstieg aufs Stilfserjoch.

Phase 2 - gen Himmel: Im Feld ist Platz und ich kann zügig vorbeifahren. Dabei muss ich sorgfältig auf den Puls achten, schließlich sind noch über 3000 Höhenmeter an diesem Tag zu bewältigen. Langsam werden es weniger und eine kleine Gruppe hat sich zu Beginn der vielen Serpentinen gefunden. Vor uns sind nicht mehr so viele zu sehen. Die letzten der 48 Kehren bieten ein grandioses Panorama. Alpengipfel, soweit das Auge reicht und unter mir eine riesige Schlange Radler, es dürften so über 2000 gewesen sein. Kurz vor dem "Cima Coppi" am Stilfserjoch fülle ich mein Trinken auf. Klasse, ich bin 15min vor meinem Zeitplan.

Phase 3 - Einsamkeit: Ich versuche in der Abfahrt über den Umbrailpass die Fahrer vor mir zu erreichen. Dann - Schock - Krämpfe an beiden Beinen. Und noch 90km vor mir... Essen, Trinken, Dehnen, langsam wird es besser. Bei St. Maria in Richtung Ofenpass wird klar, die vorne sind zu weit weg und hinter mir ist auch noch niemand. Also alleine gegen den Wind, es zieht sich wie Kaugummi. Am Ofenpass holen mich welche ein, an die ich mich ranhängen kann.

Phase 4 - gemeinsam überleben: Auf der Abfahrt vom Ofenpass rüsten wir uns zu viert gegen die kommende Passage. Zunächst ist da ein lästiger Gegenanstieg am Ova Spin. Dann endlich geht es hinab nach Zernez im Engadin. Dort geht es 50km gegen den Wind und ich bin doch schon fix und fertig. Die Gruppe arbeitet super und irgendwie schaffe ich auch meine Führungsarbeit im Halbdelirium. Nach gefühlten zwei Ewigkeiten erreichen wir Martina.

Phase 5 - ins Ziel retten: Vor dem Anstieg zur Norbertshöhe verabschieden wir uns herzlich und ich lasse die drei ziehen. Nach hinten ist zum Glück genug Luft und ich mühe mich die letzten 400 Höhenmeter über die Norbertshöhe. Und dann die kurze Abfahrt ins Ziel und in die Glückseligkeit.

Am Ende sind es 5h 41min geworden, deutlich unter den anvisierten 6h. Meine Frau hat daher glatt meinen Zieleinlauf verpasst und es gibt kein Zielfoto. Als die ersten Ergebnislisten herauskommen, traue ich meinen Augen nicht. Platz 20! Und Platz vier in meiner Altersgruppe. Das ist richtig cool.

Irgendwann kommt noch Udo ins Ziel, ein Kollege und ab und zu Mitradler bei der Fe-Mittwochsgruppe (Foto) Wir warten auf Gerd, verpassen aber leider seinen Zieleinlauf. Auch er hat seine Vorjahreszeiten verbessert. Summa summarum eine sehr schöne Tour mit grandiosem Panorama, gut organisierten Verkehrsregelungen auch ohne Straßensperrung. Gut, dass ich mich habe überreden lassen ;-) Und Dank an Roland, der mir verletzungsbedingt seinen Startplatz der Tour A überlassen hat!

Ergebnisse:

http://www.dreilaendergiro.at/de/ergebnisse-dreilaendergiro.html

 

   

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