Am Freitag mittag starte ich von Stuttgart Richtung Eifel. 5 Stunden und unzählige Staus später bin  ich endlich am Nürburgring. Da in wenigen Minuten die Einfahrt für die Teilnehmer geöffnet werden soll, verwerfe ich meinen Plan, zuerst die Startunterlagen abzuholen, sondern reihe mich gleich in die Schlange zur Einfahrt ein. 2 Stunden später bin ich nicht mehr so sicher, ob das so eine gute Idee war, aber dann bewegen sich endlich die ersten Autos und um 21:15 Uhr stehe ich auf meinem Standplatz auf dem Seitenstreifen der Start-Zielgeraden kurz hinter der Start-Ziellinie (Am nächsten morgen entschuldigt sich der Veranstalter übrigens für die Verzögerung bei der Einfahrt). Die Abholung der Startunterlagen klappt dann problemlos und ich bekomme sogar noch eine Portion Nudeln bei der obligatorischen Pasta-Party.

Die Nacht im Auto ist zwar nicht optimal, aber ich schlafe besser als erwartet.

Den Vormittag verbringe ich mit essen, trinken, dem Besuch der Fahrerbesprechung und des Standplatzes von Andy, Christian, Manja und Roman (Hermann steckt mit seiner Familie noch im Stau).

Pünktlich um 12:45 Uhr reihe ich mich mit Tausenden anderer Starter in meinen Startblock ein. Nachdem die Hobby-Rennen gestartet sind, dürfen die schon mit ihren Hufen bzw. Pedalplatten scharrenden 24h-Teilnehmer zur Startlinie vorrücken und um 13:15 Uhr gibt irgendwo vorne Rudi Altig endlich den Startschuss. Da ich ja viel Zeit habe und es dementsprechend locker angehen will, habe ich mich weiter hinten eingereiht und lasse auch zuerst mal die Ehrgeizlinge vorbei, die zu spät zum Start kamen, um ganz vorne zu starten.

Die Runde geht zuerst mal über die Grand-Prix-Strecke, wo man an einem Punkt weit voraussieht und den langen Lindwurm von bunten Rennradlern bestaunen kann. Dann geht es auf die Nordschleife, die ich von meinen bisherigen 2 Teilnahmen im Team-Wettbewerb inzwischen ganz gut kenne. Von daher weiss ich, dass es die ersten 9 km fast nur bergab geht. Natürlich müssen es wieder mal einige übertreiben: nach wenigen Minuten versucht ein Krankenwagen, mit Blaulicht und Sirene das Feld von hinten zu überholen um zu einem gestürzten Fahrer zu kommen. Ich fahre noch vorsichtiger und werde trotzdem im Windschatten des Feldes mit 92 km/h in die Fuchsröhre gesaugt. Nach einem kleinen Gegenanstieg geht es weiter bergab durch die einzige Bremskurve im Wehrseifen und hinunter zum tiefsten Punkt nach Breitscheid. Ab jetzt geht es 5 km nur bergauf und die Hektik der ersten Minuten legt sich schnell. Wie schon bei meinen früheren Teilnahmen muss ich ein wenig lächeln, als ich sehe, wie viel teures Plastik schon an der ersten Steigung in der ersten Runde den Berg hoch geschoben wird. Das wird ein langer, beschwerlicher Weg! Und meine Chancen, nicht letzter zu werden, steigen steil an, als ich die 17% Rampe zum höchsten Punkt an der Hohen Acht problemlos meistere und weiss, dass damit die erste Runde so gut wie gegessen ist, obwohl es noch fast 8km bis zum Ziel sind und die Strecke bis dahin auch mehr bergauf als bergab geht. Ich beende die erste Runde nach 52 min, viel schneller als ich mir vorgenommen hatte!

Mein Plan war es, alle 2 Runden Pause am Auto zu machen, um in Ruhe etwas zu essen und zu trinken. Ich habe eine Tasche voller Fressalien mitgebracht, da die früheren Teilnahmen gezeigt hatten, dass die durch den Veranstalter angebotene Verpflegung eher bescheiden ist. Da das Essen aber nicht so richtig an mich will, halte ich nach 6 Runden nach jeder Runde an, um zu essen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon so kaputt, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie ich noch öfters die Hohe Acht hinaufkommen soll. Ich sehe mich schon in der Gesellschaft der Schieber, finde dann aber einen Rhythmus, mit dem ich alle restlichen Runden relativ problemlos schaffe. Am Anstieg Kette links und so langsam kurbeln, dass ich nicht umfalle. An der steilsten Stelle, wo jemand „Quäl Dich, Du Sau“ auf die Straße gepinselt hat, noch mal aus dem Sattel und schon ist man oben. Die Netto-Fahrzeit der Runden ist jetzt auf etwa 70min gefallen.

Die Runden in der Nacht sind immer etwas ganz besonderes. Meine Lampe ist zwar ganz ok, trotzdem orientiere ich mich mehr an den Rücklichtern der Vorausfahrenden. Die drei schnellsten Stellen sind aber zum Glück ausgeleuchtet. Am Anstieg herrscht eine gespenstige Stimmung. Niemand lacht oder redet wie tagsüber, jeder ist mit sich und dem Berg allein. Man hört nur das Keuschen der Radler und das Surren der Ketten und sieht nur hektische Lichtkegel von Radlern im Wiegetritt. Ganz anders im Fahrerlager, wo man in jeder Runde durchkommt. Hier spielt laute Rockmusik und der Duft von frisch gegrillten Steaks liegt in der Luft (vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein?).

Ich warte eigentlich auf den Tiefpunkt, der mich zu einer Schlafpause zwingt, überraschenderweise kommt dieser aber nicht. Eine 45 minütige Pause ist das längste, was ich mache.

Die erste Runde in die Dämmerung bringt dann neue Motivation. Ich denke zwar nur noch von Runde zu Runde, aber inzwischen wird klar, dass ich deutlich mehr Runden schaffen kann, als ich es je erwartet hätte.

Um kurz vor 13:00 Uhr überquere ich dann unter dem Beifall vieler Zuschauer und anderer Teilnehmer zum 18. Mal nach 460km und ca. 9000HM die Ziellinie und bin glücklich, es geschafft zu haben!

Mein Ziel, 10 + X Runden zu fahren, habe ich weit übertroffen.

Alles in allem hat es wieder einmal viel Spass gemacht. Ein 24h Rennen, dazu noch über die legendäre Nordschleife, ist mit keiner anderen Veranstaltung zu vergleichen. Dieses Jahr hat sogar das Wetter mitgespielt und die Organisation war trotz der vielen Starter weitestgehend gut.

   

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