Logo Vattenfall CyclassicsIn diesem Jahr verbrachte ich meinen Urlaub im Norden Deutschlands und da Hamburg  nicht so weit weg war, wollte ich die Gelegenheit nutzen, einmal beim mit ca. 20 000 Teilnehmern größten Jedermannrennen  Europas  starten.

Warten auf den Start...Angeboten werden bei diesem Event 3 Streckenlängen. Während die 55km-Distanz die Sportler in den Westen Hamburgs führt, verlassen die Teilnehmer auf der 100er-Distanz die Stadt in Richtung Süden. Die Strecke über 155km stellt die Kombination aus beiden Distanzen dar. Ich entschied mich, die lange Distanz zu fahren da ich eine so  lange Distanz in einem Rennen bisher noch nicht gefahren bin. Die geforderte Ø-Geschwindigkeit von 31 km/h sollte auf der überwiegend flachen Strecke eigentlich machbar sein.

Die Organisation der Veranstaltung ist angesichts der großen Teilnehmerzahl sehr gut. Die Startunterlagen kann man bereits bis zu 4 Tage vorher abholen. Die Einteilung erfolgt in Startblöcke zu je ca. 500 Teilnehmern. Da ich Erstteilnehmer war und somit keine Zeit vom Vorjahr vorweisen konnte, wurde mir Startblock H zugeteilt, wobei ich damit aber noch ganz gut bedient war, denn hinter mir folgten noch einige weitere bis hin zu Startblock S .

Der Renntag versprach ideale Bedingungen mit Sonnenschein und Temperaturen bis zu 23°C. Am frühen Morgen stellte ich das Auto in einem Randbezirk Hamburgs im P+R Parkhaus ab und fuhr bequem mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof. Von dort waren es nur wenige hundert Meter bis zum Startblock in der Mönckebergstraße.

Um 7.30 Uhr ging es dann endlich los und bei bestem Wetter setzte sich Startblock für Startblock in Bewegung. Startblock H war 8.00 Uhr an der Reihe. Meine Befürchtung, das wie wild und ohne Rücksicht auf Verluste losgefahren wird, bestätigte sich nicht. Der Start ging ruhig und problemlos vonstatten. Schnell formierten sich große Gruppen, in denen man im Windschatten ohne sich überanstrengen zu müssen mit bis zu 45 km/h nur so über Hamburgs Straßen dahinflog. Ein Höhepunkt und erster nennenswerter Anstieg ist dann bei ca. KM 10 die Überquerung der 3,8 km langen und 53 m hohen Köhlbrandbrücke, wo man am Scheitelpunkt mit einer tollen Aussicht belohnt wird.

               

Schon nach ca. 2:40 h waren die ersten 100 km geschafft und wir erreichten wieder die Hamburger City wo die Feldertrennung erfolgte. Während die 100 km Fahrer ins Ziel fuhren, durften die Langstreckler auf die 55 km Zusatzschleife. Zu diesem Zeitpunkt zeigte der Tacho eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 38 km/h. Das Rennen machte richtig Spass und ich war froh noch eine Extrarunde drehen zu dürfen. Auf der Straße gab es ab jetzt viel mehr Platz, aber es war nicht mehr so leicht eine Gruppe zu erwischen. Nach einigen Kilometern überholte mich jedoch eine und ich hängte mich hinten ran. Das Rennen hätte bis zu diesem Zeitpunkt nicht besser laufen können. Hohes Durchschnittstempo, rücksichtsvolle Fahrweise der meisten Teilnehmer (bis auf ein paar wenige, welche zwar Rennradfahrer aber leider keine Radrennfahrer sind und es selber noch nicht einmal merken), und Stürze hatte ich auch noch keine gesehen. Bis es dann bei KM 120 ausgerechnet in meiner Gruppe passierte.... Auf schnurgerader Straße und ca. Tempo 40 stürzte ein Fahrer mitten im Feld in dessen Folge es zum Massensturz kam. Ich konnte gerade noch rechts auf die Wiese ausweichen und war eigentlich schon froh einen Sturz verhindert zu haben als ich von hinten einen Schlag verspürte und ruckzuck lag auch ich unter mehreren Fahrrädern begraben. Irgendwie gelang es mir mein eingeklemmtes Bein aus dem Räderknäuel zu befreien. Nun hieß es Schadensbegutachtung... Mir selbst war außer eines aufgerissenen kleinen Fingers nicht viel passiert. Zwei andere Radsportkollegen hatte es augenscheinlich schlimmer erwischt, da sie nicht aufstehen konnten und einer über Rückenschmerzen klagte. Dank der begleitenden Motorräder war sofort Hilfe da und die beiden wurden medizinisch betreut. Ich hoffe das ihnen nichts schlimmeres passiert ist und wünsche auf diesem Weg gute Besserung. Nun begutachtete ich mein Rad, ob eine Weiterfahrt überhaupt möglich ist. Der Lenker war schnell wieder gerade gerichtet und auch den Tacho fand ich nach kurzer Suche in der Wiese. Als ich die Kette wieder aufsetzte, sah ich das das Schaltauge total verbogen war und versuchte es etwas zu richten was mir aber nicht gelang.  Eine Weiterfahrt war jedoch trotzdem möglich, nur hatten Kette und Schaltwerk ab nun Schwerstarbeit zu verrichten, da sie im geschätzten 30°Winkel über das Schaltwerk lief.... Schaltbar waren nur noch 4 - 5 Gänge und ich mußte die noch kommenden Anstiege mit großer Übersetzung durchdrücken, was zwar ziemlich anstrengend war, aber letztendlich war ich froh das Rennen überhaupt fortsetzen zu können.

Die  letzten 35 km verliefen dann natürlich nicht mehr so flüssig. Auch fand sich keine größere Gruppe mehr und man hatte dadurch heftig mit dem Wind zu kämpfen. Irgendwann war dann schließlich doch wieder Hamburg erreicht und die Zuschauer am Straßenrand gaben einem noch einmal einen Motivationsschub. Die Zieleinfahrt auf die Mönckebergstraße war durch die vielen anfeuernden Zuschauer Tour de France Feeling pur und sehr beeindruckend.

Am Ende stand für mich eine Fahrzeit von 4h:26min zu Buche (Ø 35,32 km/h), womit ich angesichts der Umstände zufrieden war. Der Sieger auf dieser Distanz benötigte übrigens 3h:49min (Ø 41 km/h)....  

Weitere Infos zur Veranstaltung sowie Ergebnisse gibt es unter  http://www.vattenfall-cyclassics.de/

 

 

 

 

   

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